GESUNDHEITSFILMTAGE

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sie entsteht dort, wo Menschen gesehen werden, wo sie mitmachen können und wo über das gesprochen wird, was sie bewegt.

Genau das kann Kino leisten. Es holt uns für zwei Stunden aus dem Alltag, setzt uns neben Menschen, die wir sonst nie kennenlernen würden – und schickt uns danach ins Gespräch. Nicht als Behandlung, sondern als Begegnung.

Die Gesundheitsfilmtage sind eine gemeinsame Idee der Ergotherapie Boizenburg und des Kino-Boizenburg. Als Kinoretter:in unterstützt die Praxis unser Haus – nicht nur finanziell, sondern mit ihrem Blick auf Teilhabe, Selbstbestimmung und die Bewältigung des Alltags. Aus diesem Blick heraus haben wir vier Filme ausgewählt, die von Menschen erzählen, deren Leben anders verläuft als geplant: von einer Liebe jenseits von Worten und Blicken, von Kunst und psychischer Erkrankung, von der Kraft der Stille und von einem jungen Mann, der mit dem Tourette-Syndrom seinen eigenen Weg findet.

Zu den Terminen laden wir Gäste ein, die aus ihrer Arbeit und ihrem Leben berichten. Sie beantworten Fragen, die man sich sonst nicht traut zu stellen. Denn Vorurteile verschwinden selten durch Aufklärung allein – meist verschwinden sie durch Nähe.

Wir freuen uns darauf, den Oktober mit Ihnen gemeinsam anzuschauen – und anschließend darüber zu reden.

Sara Puchert · Kino-Boizenburg
Sabrina Schuster und Dina Claußen · Ergotherapie Boizenburg

Im Gespräch: Eric Schütt, 2. Vorsitzender des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins M-V e. V.,Marie Schwartz, Assistentin der Leitung der Landesgeschäftsstelle, und Blindenführhund Onitsha.

Kati ist gehörlos, Florian ist blind. Als sie sich begegnen, entsteht eine eigene Sprache – jenseits von Worten und Gesten, getragen von Nähe und Mut. Doch ihre unterschiedlichen Lebenswelten und die Erwartungen der Familien stellen die Beziehung immer wieder auf die Probe. Der Film ist die erste deutsche Spielfilmproduktion, die in denHauptrollen Menschen zeigt, die im wirklichen Leben gehörlos bzw. blind sind. Er macht spürbar, dass Liebe nicht in Worten oder Blicken wohnt, sondern im Versuch, sich dem anderen immer wieder neu zuzuwenden.

D 2026, Drama, R: Milan Skrobanek. Mit Cindy Klink, David Knors, Athena Lange, Wolf Danny Homann, Joachim Raaf. 90 Min. FSK 12

In unserer Reihe „Kunst im Kino“, mit einer Einführung.

London, Ende des 19. Jahrhunderts: Der ebenso begnadete wie exzentrische Zeichner Louis Wain lebt mit seiner Mutter und fünf Schwestern in einem turbulenten Haushalt, in dem es an nichts fehlt – außer an Geld. Das Blatt wendet sich, als der Verleger der Illustrated London News seine Katzenzeichnungen sieht und ihm eine Stelle als Illustrator anbietet. Louis verliebt sich Hals über Kopf in die Gouvernante Emily Richardson; trotz Standesunterschied und familiärem Widerstand werden die beiden ein Paar. Alles scheint sich zum Guten zu wenden,als ein Schicksalsschlag ihn vor eine ganz andere Herausforderung stellt – und seine Erkrankung auch seine Malweise verändert.

GB 2021, Biopic/Drama, R: Will Sharpe. Mit Benedict Cumberbatch, Claire Foy, Andrea Riseborough, TobyJones. 111 Min. FSK 12

Einleitung und Ausklang mit Diana von „Still bewegt. Yoga üben.“

„Zeit für Stille“ erforscht auf meditative Weise unsere Beziehung zu Stille, zu Geräuschen und zum Einfluss von Lärm auf unser Leben. Der Film nimmt uns mit auf eine filmische Reise umdie Welt: von einer traditionellen Teezeremonie in Kyoto auf die Straßen der lautesten Stadt der Welt, Mumbai, während der wilden Festzeit. Er regt dazu an, Stille selbst zu erfahren und die Wunder unserer Welt neu wahrzunehmen.

USA 2016, Dokumentarfi lm, R: Patrick Shen. 81 Min. FSK 0. Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Film-Café Special: Kaffee und Kuchen ab 15 Uhr.
Im Gespräch: Gitta Böhme, KipsfamLUP zu der Frage: Was bedeutet es eigentlich für eine Familie, wenn ein Familienmitglied mit einer Erkrankung oder einer dauerhaften Belastung lebt – und was brauchen insbesondere Kinder und Jugendliche in diesem Familiensystem?

Dass ein unkontrollierbares „Problemkind“ einmal mit dem Orden des British Empireausgezeichnet würde – damit hätte niemand gerechnet, am wenigsten John Davidson selbst. John beginnt mit zwölf Jahren unter heftigen Nerventicks zu leiden. Seine erst Jahre später als Tourette-Syndrom diagnostizierte Erkrankung macht sein Leben zum Spießrutenlauf: Er wird ermahnt, gehänselt, bestraft. Die zufällige Begegnung mit Dottie bringt die Wendung – sie akzeptiert John, wie er ist. Langsam findet er den Mut, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, und erkennt, wie wertvoll seine Erfahrungen für andere sind.

GB 2025, Biopic, R: Kirk Jones. Mit Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan. 121 Min. FSK 12